ContactFacbook   FR | EN | NL | DE


„Fresque des Wallons“ (Fresko der Wallonen)
Von Karl dem Großen bis Simenon...

 

 

Prolegomena

 

Seit dem Bau des neuen Rathauses in den 80er Jahren wartete die Giebelmauer hin zu den „Jardins du Maïeur“ auf ihre Fertigstellung. Drei riesige Metallrohre ragten aus dieser Mauer mit Asphaltbeschichtung hervor, die keine Augenweide für die Besucher des Gemeindehauses von Namur war.

Die Terrasse über den zwei Etagen der Tiefgarage wurde 1996 von den Architekten Francis Haulot und Jean-Pierre Ledoux angelegt, die ihre Zugänge und das Relief bestimmten. Danach galt es, alles zu bepflanzen und den Fußgängerstrom der umliegenden Schulen durch geeignete, robuste Niedrigbepflanzungen zu kanalisieren. Die so genannten „Jardins du Maïeur“ (Gärten des Bürgermeisters) wurden vom Landschaftsarchitekten der Stadt, Michel Gilbert, entworfen. Die Lindenbäume in der Nähe der Gebäude werden in Würfelform zugeschnitten, um die Architektur der Gebäude zu unterstreichen. Im Hintergrund ziehen eine Reihe von Magnolienbäumen und zwei immergrüne Kiefern den Blick auf sich. Einige Vogelkirschen verdecken ein wenig den Festsaal der Schule und verbinden die Mauer der Wallonen mit den übrigen Bauten des Gartens. Im Mittelpunkt der Komposition, leicht erhöht und von einem Mäuerchen eingefasst, steht ein junger, ungeschnittener Eisenholzbaum (Parrotie). Der von geschnittenem Geißblatt (Lonicera) eingefasste Fußgängerweg trennt die zwei Parterres, die mit kriechenden japanischen Quitten bepflanzt sind und auf denen zwei Hartriegel stehen, deren große weiße Kelchblätter im Frühjahr bezaubern. Der Garten wird noch durch einen Teich verschönert, der im Sommer Frische spendet. Einige freistehende Sträucher im hinteren Teil des Gartens blühen bereits im Winter und lassen den sanften Duft von Zaubernuss (Hamamelis) und Schneeball (Viburnum) in die Nase steigen. Im Garten wurden Blumenbette angelegt, in denen Zwiebelgewächse oder bunte einjährige Pflanze blühen. Dieser geschützte und sonnige Raum wird sehr von den Stadtbewohnern geschätzt und auch für Kunstausstellungen sowie zahlreiche Empfänge des Stadthauses genutzt.

 

Die Idee, hier ein Fresko im Trompe-l'œil-Verfahren anzubringen, nahm 2001 Gestalt an, nachdem man Werke von Künstlern des Ateliers „Cité de la Création“ in Stadtvierteln von Lyon (einige wurden als Weltkulturgüter eingestuft) und in Québec („le Mur des Québécois“) entdeckt hatte. Gilbert Coudène, der Leiter des kreativen Ateliers, erklärt, dass sich das Fresko der Wallonen in die Linie der in Lyon und Québec geschaffenen Werke einfügt. Diese beiden Städte wollten sich auf einer Fassade selbst darstellen. Da sich das Fresko in Namur in einem öffentlichen Garten befindet, lässt es sich gut betrachten. Es ist eine Quelle des Vergnügens und der Entdeckung; ein kulturelles, touristisches, aber auch pädagogisches Instrument, da es auf seine Weise die Geschichte der Region schildert.

 

Die Gemeindebehörden verfolgen ein doppeltes Ziel: erstens den Schandfleck beseitigen, den diese unvollendete Mauer darstellte, und zweitens durch dieses Fresko den Wallonen huldigen, die Jahrhunderte lang ein ganzes Gebiet in den Bereichen Kunst, Politik, Sport, Industrie, Vereinsleben usw. geprägt haben. Man greift die Idee des Geschichtsbuches „unter freiem Himmel“ auf,  des Ortes der Bildung und der Überlegung für jung und alt. Die „Fresque des Wallons“ in Namur, der Hauptstadt der wallonischen Region, ist das erste Fresko mit einer Botschaft in Belgien.

 

Am 25. Juni 2003 gibt der Gemeinderat grünes Licht für die Arbeiten, die die Giebelmauer des Rathauses für das künftige Fresko vorbereiten sollen. Am 10. September desselben Jahres genehmigt der Rat das Prinzip eines Freskos und dessen Ausarbeitung durch das Atelier „La Cité de la Création“ von Lyon. Das Projekt wurde von April bis August 2004 in die Tat umgesetzt. Das Fresko der Wallonen wurde am 11. September 2004 offiziell eingeweiht.

 

 

Ausarbeitung des Projekts und angesprochene Themen

 

Den Anstoß zu diesem Projekt hatte der Schöffe für Kulturerbe, unterstützt vom Schöffen für Kultur, gegeben. Im Rahmen des Projekts wurde ein Begleitausschuss eingerichtet, dem Vertreter aller Gruppen des Gemeinderates angehörten. Sie haben mit den Autoren des Projektes dokumentarische Recherchen durchgeführt und die darzustellenden Motive und Personen ausgewählt. Auf einem monumentalen, 330 m² großen Fresko sind knapp 250 Personen oder Referenzen dargestellt, die für die ältere und jüngere Geschichte der Wallonie charakteristisch sind. Natürlich sind diese Referenzen nicht erschöpfend, denn das Fresko will ein Werk in ständigem Wandel sein: es kann angepasst und ergänzt werden, je nach eventuell geäußerten Wünschen, sich entwickelnden Tendenzen oder Talenten.

 

Das ehrgeizige Projekt brachte ein Fresko hervor, das zweifelsohne eine touristische, kulturelle, pädagogische sowie architektonische Dimension hat. Wir wollen, so der Schöffe für  Kulturerbe, nicht nur den Bewohnern von Namur, sondern allen Wallonen ermöglichen, sich in dem Werk zu erkennen und es sich anzueignen.

 

Wegen Platzmangels konnten nicht alle gesammelten Referenzen dargestellt werden. Aus diesem Grund benutzen die Künstler die Deckel oder Rücken von Büchern und CDs, Poster von Veranstaltungen, verschiedene Gegenstände (ein „Molons“-Hut, ein Saxophon, ein Senfglas usw). Mit Blick auf die Weiterentwicklung des Freskos sind gewisse Buch- und CD-Rücken unbeschriftet geblieben, um sie zu einem späteren Zeitpunkt nutzen zu können.

 

Diese zahlreichen Referenzen befinden sich in Vitrinen unten im Fresko, auf Augenhöhe, um eine nähere Betrachtung zu ermöglichen. Dank einer kleinen Esplanade am Fuß des Werkes (über der Treppe) kann man näher an das Fresko herantreten.

 

Die Mural-Künstler haben verschiedene Betrachtungsebenen geschaffen. Man kann in den sechs Vitrinen stöbern, wenn man nahe vor dem Fresko steht. Dabei stößt man unweigerlich auf die Stelzengänger oder auf den Maler Albert Dandoy, der seine Staffelei am Fuß des Gebäudes aufgestellt hat. Eine Hausfrau mit einem Korb voller regionaler Erzeugnisse scheint neben der rechten Vitrine auf jemanden zu warten. Die Vitrinen sind eine wahre Fundgrube von Symbolen, und es ist schwierig, alle Details beim ersten Besuch zu erfassen. Sie enthalten so viele Informationen und Referenzen aller Art, dass ein zweiter Besuch unumgänglich ist! Wenn man sich etwas entfernt und die Stufen hinabsteigt, ist eine andere Betrachtung möglich. Zwischen dem wallonischen Hahn und dem Marsupilami mit seinem wirbelnden Schwanz befindet sich eine große Scheinglaswand in der Mitte des Gebäudes. An den Fenstern sind Persönlichkeiten der Wallonie in verschiedenen Posen zu sehen: Karl der Große, Blanka von Namur, Pater Pire, Ernest Solvay, François Bovesse und Georges Simenon.

 

Die Künstler haben sich den Begebenheiten angepasst und die vorhandenen Fenster in ihr Werk eingebunden. Aber sie haben auch zahlreiche Trompe-l'œil gemalt, die die Illusion mehrerer Öffnungen mit Geländer schaffen. Die drei riesigen Rohre „à la Beaubourg“ sind Teil der Inszenierung. Die Planer wecken in uns den Zweifel, indem sie Farben benutzen, die den französischen Weißstein oder den bläulichen Moselkalkstein imitieren.

 

 

Technik...

 

Zu komplizierte Technologie hat in unserer Arbeit keinen Platz; sie ist zu kalt und tötet die Emotion. So die Mural-Künstler, die ihre Kreationen als einfache, vergängliche, weil menschliche Spuren bezeichnen. Das vergängliche Wesen der Wandmalereien ist ein Fakt. Obschon sie erst vor kurzem geschaffen wurden, sind einige schon verschwunden und andere wurden übermalt. Wandmalerei ist lebendige Kunst, die sich ständig weiterentwickelt und keinen Anspruch auf Ewigkeit erhebt. In den Höhlen der Vorgeschichte verfolgten die Künstler denselben Ansatz wie wir heute, so die Mural-Künstler. Manchmal wurden ihre Zeichnungen zwei Jahrtausende später vollendet...
Im Allgemeinen dauert die Schaffung eines Freskos, von den ersten Kontakten mit dem Auftraggeber bis zur Einweihung des Kunstwerks, neun Monate.

 

Ehe der Künstler mit der eigentlichen Wandmalerei beginnt, muss er verschiedene unumgängliche Etappen durchlaufen: Messungen, Fotos, Dokumentation, Pläne, Skizzen, Kontakte, Treffen und Diskussionen mit dem Auftraggeber, aber manchmal auch mit den Personen, die in der Nähe des zu "behandelnden" Ortes wohnen. Hinzu kommt noch der Erhalt einer Städtebaugenehmigung.

 

Praktisch entwirft der Mural-Künstler einen Rohentwurf und ein Modell im Maßstab 1:10, das vor Ort als Referenz dient. Der Plan muss gut durchdacht sein, ehe das Projekt in die Tat umgesetzt wird. In diesem Planungsstadium vermeidet der Künstler Fehler, die bei Vergrößerung umso stärker ins Auge stechen. Dies setzt endlose Berechnungen und die strikte Anwendung der Perspektivregeln sowie unzählige Zeichnungen voraus, die im Atelier auf Millimeterpapier übertragen werden.

 

Ehe der Mural-Künstler seine Arbeit im Freien beginnt, muss die Mauer präpariert werden. Diese Aufgabe übernimmt ein Maurer/Verputzer, aber sie ist äußerst wichtig. Alle Unebenheiten, alle Fehler müssen beseitigt werden, um eine möglichst perfekte Oberfläche zu erhalten.

 

Anschließend benutzt der Mural-Künstler Pausen oder Kartons in Originalgröße, die er nummeriert und die dazu dienen, die Zeichnung auf die Mauer zu übertragen. Dazu betupft er Lochpausenkartons mit einem Pausbeutel mit blauem Farbpulver, das durch die Löcher der Kartons dringt und die Linien der Zeichnung ergibt, wenn er den Karton von der Mauer entfernt. Dann wird eine Unterschicht aufgetragen, ehe Farben zum Einsatz kommen. Nicht Stück für Stück, sondern indem die Farben durch aufeinander folgende Farbschichten auf dem ganzen Werk aufgetragen werden, wie ein Foto, das im Entwicklerbad langsam Gestalt annimmt. Bis zu dem Augenblick, in dem man letzte Hand an die Licht- und Schatteneffekte anlegt. Jetzt muss man genau im richtigen Moment aufhören...

 

 

Die Mural-Künstler geben eines der Geheimnisse eines gelungenen Trompe-l'oeil preis: je gerader die Linien und je schärfer die Konturen, umso starrer und lebloser wirkt das Fresko. Der Pinsel muss die Farben also nicht messerscharf von einander trennen, sondern sie ineinander fließen lassen, so wie das Auge sie wahrnimmt.

 

Auf dem Fresko in Namur waren „Blasen“ zu sehen, die auf die von den Künstlern benutzte Marouflagetechnik zurückzuführen waren. Diese vorübergehenden leichten Verformungen verschwinden im Laufe der Zeit ganz.

 

Wandmalerei ist eine wenig bekannte Kunstform. Sie stützt sich auf eine besondere Technik, die sich parallel zum Auftauchen neuer Materialien weiterentwickelt. Die Mural-Künstler der „Cité de la Création“ lassen übrigens Produkte und Verfahren in einem Forschungszentrum nahe ihres Ateliers testen. Dieses Zentrum funktioniert auf der Grundlage des Sponsorings von Unternehmen und von Studienverträgen.

 

 

Das Atelier „La Cité de la Création“ und Co

 

Das Abenteuer begann 1978, als eine Gruppe von Studenten der Kunsthochschule von Lyon beschloss, ein Atelier zu gründen: „La Cité de la Création“. Zwölf Mural-Künstler, aber eine einzige Unterschrift, so lässt sich die Formel dieses Ateliers zusammenfassen. Wir heißen alle „Cité de la Création“, wiederholen Pierre, Yannick, Marie-Chantal, Hélène, Marion, Pomme, Gilbert, Benjamin, Camille, Élisabeth, Valérie und Jean-Michel. Es ist eine Gruppenarbeit, bei der jeder seine Fähigkeiten in den Dienst des Ateliers stellt. Ob Portraitist, Fachmann für Architekturzeichnung oder im Bereich der Public Relations, das Know-how jedes Einzelnen dient dem Ganzen. Diese Arbeitsweise ist ihnen eigen und respektiert die Individualität.

 

Die Mural-Künstler der ersten Stunde lassen sich in einem Atelier im Viertel Croix-Rousse, Montée de la Grande Côte, dann in Vaise, einem anderen Stadtteil von Lyon nieder. Die ersten gemeinsamen Erfahrungen bringen eine Gruppe mit dem Namen „Populart“ hervor, die sich mit der künstlerischen Intervention im städtischen Umfeld befasst. Sie will die Gastlichkeit fördern, den Austausch zwischen Menschen anregen, verständliche Kunst schaffen, den Orten wieder eine Identität verleihen.

 

Die Anfänge sind schwierig, aber die Gruppe hat Energie im Überfluss. Sie funktioniert unter dem Statut einer Vereinigung und verfügt nur über wenig Material. Es soll lange dauern, bis sie durch die Kreation von Stadtbildern ein finanzielles Gleichgewicht erzielt.

 

Vor den Toren von Lyon ist die Gemeinde Oullins Besitzerin eines großen, verlassenen Wohnsitzes, der im Park Charbrières oberhalb der Industriestadt liegt. Sie beschließt, das Wohnhaus an die „Cité de la Création“ zu vermieten, die als Gegenleistung Renovierungsarbeiten vornimmt. An diesem mythischen Ort hat beispielsweise François de Lesseps die Pläne für den Suez-Kanal gezeichnet. 2007 haben die Mural-Künstler ihren Sitz noch immer in diesem Wohnhaus.

 

1983 fliegt das Team nach Mexiko, um mit den Mural-Künstlern des Eingeborenenviertels Tepita zusammenzuarbeiten. Leider wird das gemeinsame Werk der Lyoner und mexikanischen Künstler, eine geschickte Mischung von Nord und Süd, einige Monate nach der Fertigstellung durch ein starkes Erdbeben zerstört. Seitdem reisen und arbeiten die Mural-Künstler von Lyon in der ganzen Welt: in Angoulême, Barcelona, Pau, Mülhausen, Leipzig, Quebec, Biarritz, Marseille, Brest, Paris, Jerusalem...

 

Allmählich verdienen die Mural-Künstler der „Cité de la Création“ mit ihrer Kunst ihren Lebensunterhalt. Sie geben ihr Statut der Vereinigung auf und werden Genossenschaftsmitglieder, die kreative Produzenten sind. Das Prinzip ist einfach: „eine Person, eine Stimme“.

 

Bis zum heutigen Tag haben sie über 420 Wandmalereien geschaffen und sie erhalten unablässig Aufträge aus aller Welt. Die Website des Ateliers (www.cite-creation.com) enthält zahlreiche Illustrationen bereits geschaffener Werke.

 

Eine Eigenart der Künstler aus Lyon ist, dass sie regelmäßig Mitarbeiter aus der Gastregion in ihre Projekte einbinden. In Namur wurden die Studenten Sophie Lestrate und Jean-François Renquet, die die Abendschule der Kunsthochschule besuchen, von den Mural-Künstlern aus Lyon geschult. Gerade angekommen, hatten wir einen Pinsel in der Hand und los ging es. Wir haben insbesondere an den Vitrinen im unteren Teil des Freskos gearbeitet: Messung, Linienzeichnung, Hintergrundfarben, Patina... Die jungen Kunststudenten haben auch an der Übertragung des Werkes auf die Giebelwand des Rathauses teilgenommen. So sind vielleicht dank der Künstler der „Cité de la Création“, die stets Rücksprache halten und Workshops in Bezug auf neue Fresken veranstalten, neue Berufungen entstanden. Sie beziehen nicht nur lokale Künstler, sondern auch die Bevölkerung in ihr Vorhaben ein und gewinnen so den Respekt ihrer Werke. Diese werden nie mit Graffitis bedeckt, denn sie sind Bestandteil der Stadt und die Bürgern haben sie sich angeeignet.

 

Bildliche Darstellung der Wallonie

Bedeutende Persönlichkeiten

 

Karl der Große
Karl der Große (* 742 oder 747, † 814 in Aachen) ist der Sohn von Pippin den Jüngeren. 768 wird er zum König der Franken gekrönt. Er ist ein großer Eroberer, gesetzgebender Prinz und Erneuerer der Gesellschaft. Seine Herrschaft wird von mehreren militärischen Siegen geprägt, dank derer er ein Reich gründen kann, das sich vom Ebro (Spanien) bis zur Elbe (Deutschland) erstreckt.
Am Weihnachtstag 800 wird er von Papst Leo III. in Rom zum Römischen Kaiser gekrönt. Auf diese Weise wird einem Herrscher gehuldigt, der durch die Vergrößerung seines Reiches den Einflussbereich des Christentums stark ausgedehnt hat. Während er über die Verbreitung des Christentums wacht, knüpft er Handelskontakte mit dem Morgenland.
Karl der Große richtet eine Verwaltung ein, die viel besser strukturiert ist als jene seiner Vorgänger. Er regelt die Institution der Missi dominici (Königsboten), die mit der Überwachung der Grafen beauftragt sind, zieht die Meinung der „Großen“ (führenden Adelsfamilien) durch Einberufung der Champs de mai ein und erlässt durch seine Verwaltung zahlreiche Kapitularien. Der Kaiser bewirkt eine wahre kulturelle Renaissance, indem er bedeutende Gelehrte seiner Zeit - Paulus Diaconus, Einhard und Alkuin - in der Hofschule (einer Art Akademie) an seinem Hof versammelt. Er lässt in Kathedralen und Klöstern Schulen öffnen und richtet unzählige Kunstwerkstätten ein. Er bewirkt eine Wiederbelebung der geistlichen und weltlichen Studien. Seit dem 11. Jahrhundert erhebt die Legende ihn zum Helden mehrerer Heldenlieder, zu denen auch das Rolandslied zählt.

„Blanche de Namur“ (Blanka von Namur)
Sie ist nur dem Namen nach aus Namur. Sie wird Blanka von Namur genannt, weil sie die Tochter des Grafen Johann I. und seiner zweiten Gattin Maria von Artois, der Urgroßnichte von Ludwig, dem König von Frankreich, ist. Sie wurde 1316 geboren, vielleicht im Schloss von Wynendaele bei Brügge: dort ebenso wie in der Namurer Gegend verbrachte sie einen Teil ihrer Jugend. Blanka ist eine anmutige und elegante Frau mit einer raffinierten Erziehung „à la française“. Im Alter von achtzehn Jahren lernt sie einen jungen König aus dem hohen Norden kennen und es ist Liebe auf den ersten Blick. 1334 heiratet sie Magnus Erikson, den König von Schweden und Norwegen. Er hat den Ruf, willensschwach zu sein und sich von seinen Günstlingen beeinflussen zu lassen! Trotz aller Schwierigkeiten bleibt Blanka an der Seite ihres Gatten, der dänischen und slawischen Armeen die Stirn bieten muss und mit einer katastrophalen Finanzlage, einer Exkommunizierung wegen Schulden gegenüber der Kirche, dem Schwarzen Tod und den Aufständen seiner Söhne konfrontiert ist. Blanka stirbt 1363 am Hof ihres Sohnes, König Hakon. So bleibt ihr das elende Ende ihres Gatten Magnus erspart, der von seinem Vetter Albert von Mecklenburg eingesperrt wird und in der Gefangenschaft stirbt.
Blanka von Namur bringt die französische Kultur in ihr neues Heimatland, hinterlässt aber auch Spuren in Namur. Im 21. Jahrhundert ist sie bei historischen Festen und Umzügen in Namur vertreten. J. Evrard hat ihr ein Theaterstück gewidmet, und ein lokales Gymnasium sowie ein Weißbier tragen ihren Namen.

 

Dominique Pire
Dominique Pire (* 1910 † 1969) ist ein Dominikanermönch und Doktor der Moraltheologie (1936). Er ergänzt sein Studium an der Fakultät Sozial- und Politikwissenschaften an der Katholischen Universität Löwen (KUL). Er wird Verwalter und lehrt Moralphilosophie an der Ordensschule des La Sarte-Klosters (1939-1949). 1939 gründet er den „service d'entraide familiale“ (kostenlose Hilfe für Familien in Not) sowie die „stations de plein air de Huy“. Diese Hilfsstationen im Freien ernähren hunderte von Kindern während des Weltkriegs, in dem er als Geistlicher für den Widerstand arbeitet.
Nach dem Krieg gibt er seine Lehrtätigkeit auf und widmet sich seinen Tätigkeiten als Priester. 1949 gründet er die „aide aux personnes déplacées“ (Hilfe für heimatlose Menschen) und organisiert eine umfassende Hilfsaktion zugunsten der Ärmsten. Für seine Kampagne “Europe des cœurs“ (Europa der Herzen) wird ihm 1968 der Friedensnobelpreis verliehen. 1960 gründet er in Tihange die Friedensuniversität und 1962 die erste Friedensinsel als Hilfe für die Dritte Welt. Die Dominique Pire-Stiftung setzt seine Aktion fort und hat sich einen seiner berühmten Sätze zu eigen gemacht: Wenn du einem Menschen einen Fisch gibst, dann gibst du ihm für einen Tag zu essen. Wenn du einem Menschen das Fischen beibringst, dann gibst du ihm für sein Leben lang zu essen.

 

Ernest Solvay
Ernest Solvay (* 1838 † 1922) ist wissbegierig, aber sein Gesundheitszustand hindert ihn am gewünschten Hochschulstudium. Seine erste Berufserfahrung sammelt er in der Fabrik seines Onkels, wo er viel Erfindungsgeist an den Tag legt. Bei einem Experiment erhält er Soda. Er meldet ein Patent an (1861) und nach unzähligen Schritten gelingt ihm in Couillet die industrielle Herstellung von Natriumkarbonat, das Solvay-Soda genannt wird. So schafft er die Grundlagen eines Imperiums im Bereich der chemischen Industrie in Europa, aber auch in den Vereinigten Staaten Amerikas.
Ernest Solvay ist ein Großindustrieller mit einem ausgeprägten Sinn für soziale Gerechtigkeit. Schon früh ergreift er entsprechende Initiativen: Altersversorgung der Arbeiter (1899), Einführung des Achtstundentages (1908), bezahlter Urlaub (1913), Ausbildung der Arbeiter... Ihm sind ebenfalls mehrere soziale Einrichtungen wie das „Comité de Secours et d'Alimentation“ (Hilfs- und Ernährungskomitee, 1914) zu verdanken. Ernest Solvay ist ebenfalls Mäzen. Er gründet das Institut für Physiologie und Soziologie an der Brüsseler Universität sowie das internationale Institut für Physik und Chemie.

 

François Bovesse
François Bovesse (* 1890 † 1944) ist ein Politiker, der sowohl auf kommunaler und Provinz- als auch auf nationaler Ebene eine wichtige Rolle gespielt hat. Im Juli 1914 verleiht die Universität Lüttich dem Rechtsanwalt den Titel eines Doktors der Rechte. Noch im selben Jahr wird er einberufen, in der Gegend von Antwerpen verletzt und daraufhin zum militärischen Auditoriat in Calais versetzt. Bei seiner Rückkehr nach Belgien im Januar 1919 wird er zum Stellvertreter des Militär-Auditors der Provinz ernannt, ehe er der Anwaltskammer von Namur beitritt. Schon zu diesem Zeitpunkt setzt er sich für die wallonische Sache ein. 1923 gründet er in Namur einen Ausschuss, der mit der Organisation der „Fêtes de Wallonie“ (Feste der Wallonie) beauftragt wird.
François Bovesse engagiert sich aktiv in der liberalen Partei. Von 1921 bis 1937 ist er Gemeinderatsmitglied und von 1929 bis 1937 bekleidet er den Posten des Schöffen für Personenstand und bildende Kunst. Zwischen 1921 und 1937 ist er zweimal Abgeordneter und viermal für Ministerialressorts zuständig (Post- und Fernmeldewesen (PTT); Justiz; Öffentliche Bildung, Sprach- und Literaturwissenschaften, Kunst; Justiz). Er vertritt die Ansichten der Wallonischen Bewegung: Fortsetzung des französisch-belgischen Abkommens, Ablehnung des Amnestiegesetzes und Bekämpfung der faschistischen Bewegung Rex. 1937 wird Bovesse zum Gouverneur der Provinz Namur ernannt, von der deutschen Besatzung jedoch abgesetzt. Er nimmt seinen Beruf als Rechtsanwalt wieder auf und plädiert kompromisslos gegen Besatzer oder Kollaborateure, was ihn das Leben kosten soll. Am 1. Februar 1944 wird er von Rexisten ermordet.
François Bovesse hinterlässt ein umfassendes literarisches Werk, von dem große Teile noch nicht veröffentlicht wurden.

 

Georges Simenon
Georges Simenon (* 1903 † 1989) will Offizier werden, aber aufgrund des Gesundheitszustands seines Vaters gibt er das Studium auf, um zum Lebensunterhalt seiner Familie beizutragen. Sowohl die Lehre zum  Konditor als auch zum Buchhändler bricht er vorzeitig ab, um seiner journalistischen Berufung zu folgen. Er arbeitet als Lokalreporter unter dem Pseudonym Georges Sim bei der Lütticher Zeitung Gazette de Liège und entdeckt so die Atmosphäre in Polizeirevieren, Theatern, Konferenzsälen usw. Der Rahmen ist vorgegeben. Simenon widmet sich der schriftstellerischen Tätigkeit, insbesondere nach der Veröffentlichung seines ersten kleinen Romans „Au pont des arches“ (1921). Er schreibt, um seinen Lebensunterhalt zu verdienen und lässt sich in Paris nieder. Er schreibt unablässig und veröffentlicht Erzählungen, Novellen und Romane. 1931 erscheint Kommissar Maigret, der sich zur Hauptfigur seiner Romane entwickelt. Die Maigret-Serie zählt mehr als 300 Titel, die Simenon in 34 Jahren geschrieben hat. Nach Art von Honoré de Balzac oder Émile Zola zeichnet auch Georges Simenon ein realistisches Bild der Gesellschaft seiner Zeit. Seine Werke zeugen von einer außergewöhnlichen Beobachtungsgabe und einer tiefen psychologischen Einsicht.
Von 1945 bis 1955 lebt Simenon in den USA, ehe er in die Schweiz übersiedelt, wo er 1989 stirbt. Von 1972 bis 1989 diktiert er den Stoff für 21 Bände seiner Überlegungen auf Tonband, die unter dem Titel Dictées veröffentlicht werden.

 

Albert Dandoy
Albert Dandoy (* 1885 † 1977) gehört zu einer Dynastie von Namurer Malern. Er hat an der Kunsthochschule von Namur studiert und widmet sich vor allem den Techniken der dekorativen Malerei. 1918 wird er an der besagten Hochschule seiner Heimatstadt zum Professor für Zeichnen und 1930 zum Professor für Malerei (bis 1955) ernannt.
1967 und 1985 werden diesem lokalen Maler zwei große Ausstellungen in der „Maison de la Culture“ gewidmet. Seine bevorzugten Motive sind Stadtszenen und die umgebenden Landschaften. Er interessiert sich auch für das Leben in der Stadt: Feste, Folklore, Märkte usw. Aufgrund seines Schaffensdrangs lässt sich nur schwer ein Katalog seines ganzen Werkes erstellen. Rascher Pinselstrich und leichte Farben sind kennzeichnend für seine Gemälde. Albert Dandoy wird manchmal dem Impressionismus zugeordnet.

 

 

 

 

 

 

 

 

Animationen

Neben den bedeutenden Persönlichkeiten, die die Wallonie geprägt haben, haben die Schöpfer ihrem Werk nicht nur durch sechs Vitrinen im Erdgeschoss der Giebelmauer des Rathauses Leben eingehaucht, sondern auch durch besondere Elemente, die die kulturelle Vielseitigkeit und den vielseitigen Reichtum der Region widerspiegeln.

 

Der Maler Albert Dandoy sitzt friedlich vor seiner Staffel und will einen typischen Eck seines geliebten alten Namur auf der Leinwand festhalten. Er trägt einen Anzug und einen breitkrempigen Hut als Sonnenschutz. Sein Hund liegt hinter ihm auf dem Boden. Einzige Zuschauerin ist eine junge Hausfrau, und zwar Sophie Lestrate, die zum Markt gewesen ist, denn ihr Korb ist gefüllt mit Obst und Gemüse, das wahrscheinlich von Gemüsegärtnern aus Jambes stammt.

 

An der anderen Seite beobachtet ein junger Mann (der Sohn von Jean-Luc Martin, dem Direktor der Kunsthochschule von Namur) einen Stelzenkampf. Das französische Wort „échasseur“ (Stelzengänger) stammt vom Wallonischen „chacheu“, was Kämpfer auf Stelzen bedeutet. Der Stelzenkampf zählt zu den ältesten Bräuchen der Namurer Folklore. Die Stelzengänger sind in zwei Gruppen aufgeteilt: die „Mélans“ und die „Avresses“. Anhand verschiedener Techniken versuchen sie, sich gegenseitig zu Fall zu bringen: durch Stöße mit den Schultern, den Ellebogen oder noch „côps d'pougn è stoumac“ (Faustschläge in den Bauch), Blockierung der Stelzen, Kniebeugen oder andere Tricks.

 

Nicht weit von François Bovesse, der in einem Fenster im ersten Stock im Profil zu sehen ist, trohnt auf einem Mauervorsprung stolz ein roter streitender Hahn vor goldenem Hintergrund.  Dieser Hahn ist auch auf der Flagge der Wallonischen Region abgebildet. Er wurde 1913 vom wallonischen Maler Pierre Paulus (* 1881 in Châtelet, † 1959 in Brüssel) gemalt, der der expressionistischen Bewegung angehört. Die Ausstellung der wallonischen Kunst in Charleroi im Jahr 1911 macht den Künstler im Alter von dreißig Jahren berühmt.

 

Zwischen dem zweiten und dritten Stock wirft ein Vogel seinen Schatten auf eine Scheinwand aus französischem Weißstein. Etwas höher sollte ein weiterer Vogel vor einem Hintergrund aus Schiefer zu sehen sein, aber er ist verdeckt! Rechts oben hockt auf einem Steingesims eine blaue Taube („le vî bleu“).

 

In der Mitte der Giebelmauer rahmt eine riesige Glaswand drei Rohre ein, die wie ein Monument aus rostfreiem Metall ins Auge stechen. Diese Glasfläche spiegelt Blätter wider, aber links wurde eine vorbei fliegende „macrâle“ (Hexe) überrascht.

Rechts turnt ein wunderliches gelb-schwarzes Fabeltier mit langem Schwanz durch die Rohre, das von Comic-Zeichner André Franquin (Magazin Spirou, Nr. 72 vom 31. Januar 1952) entworfen wurde. Es ist das Marsupilami, ein eierlegendes Tier, das zu den Monotremata gehört. Es hat einen sehr langen Schwanz, lacht gerne, kann Werkzeuge benutzen, ist amphibisch und imitiert die menschliche Sprache. Sein Ruf ist „Huba“ für das Männchen, „Hubi“ für das Weibchen und „Bi“ für die Jungtiere, die diesen gern wiederholen („Bibi“).

 

Ganz in der Nähe des Marsupilami ist eine andere Comicfigur zu sehen: eine Schlumpfine vor einem Hintergrund aus Blättern. 1958 hat Peyo diese blauen Zwerge (Schlümpfe, Schlumpfine und Schlumpfbabys) mit ihrer witzigen Sprache geschaffen (Magazin Spirou Nr. 107 vom 23. Oktober 1958). Die Comicserie spielt in einer Märchenwelt. Sie greift auf die volkstümliche Mythologie von Waldkreaturen zurück und stellt eine quasi ideale Gesellschaft mit einem Herrscher (der Große Schlumpf, der sowohl mächtig als auch weise ist) und seinen völlig gleichen Untertanen dar.

 

An einer anderen Stelle übt sich Muriel Sarkany im Klettersport, den sie meisterhaft beherrscht. Sie klettert das Gebäude hinauf und hat fast den Gipfel erreicht. Diese 1974 geborene Brüsselerin unternimmt 1991 ihre ersten Kletterversuche. Nur ein Jahr später wird sie in der Schweiz Junioren-Weltmeisterin. Seitdem hat sie unzählige europäische und internationale Titel gewonnen.

 

Die Vitrinen

Vitrine links

Die Wallonie (gewinnt  ) zeichnet sich durch ihre Sportler, Abenteurer, Sänger, Schöpfer (Mode...), ihre Folklore aus. All dies ist in der linken Vitrine zusammengefasst.

 

Oben auf dem Poster ist Justine Henin zu sehen. Sie wurde am 1. Juni 1982 in Lüttich geboren und wuchs in Rochefort auf, wo sie im lokalen Tennisclub trainierte. Sie führte 45 Wochen lang die WTA-Klassierung an und hat mehrere Grand Chelems gewonnen. Laut John McEnroe hat sie die beste Rückhand der Welt.

 

Auch andere Sportarten sind dargestellt: Motocross (der Zitadelle von Namur), Radsport, Fußball, Laufen, Schwimmen, Gewichtheben, Bergsteigen, Leichtathletik, Kanu-Kajak... Die Namen der Sportler sind auf Buckrücken oder -deckeln zu lesen.

 

Diese Vitrine will mit den „Francofolies“ von Spa auch das französische Chanson hervorheben. Salvatore Adamo ist auf der Hülle einer Schallplatte abgebildet, Maurane auf einem CD-Cover. Wenn man genau hinsieht, entdeckt man noch viele andere bekannte Namen.

 

Die Wallonie steht auch für Feste und reiche Folklore. Ein Poster mit einem „Gille de Binche“ mit seinem Hut aus Straußenfedern im Vordergrund illustriert mehrere Facetten unserer Traditionen. Eine Maske der „Blancs moussis“ aus Stavelot, ein „Molons“-Hut aus Namur und eine kleine Figur eines Teilnehmers der Folkloremärsche der Region Entre-Sambre-et-Meuse ergänzen diese Darstellung der wallonischen Folklore.

 

Vitrine links (Vorbau)

Das französischsprachige Kino hat eine eigene Vitrine verdient. Ihm ist es nämlich zu verdanken, dass unser Land und insbesondere unsere Region auf internationalen Filmfestivals wie dem angesehenen Filmfestival von Cannes vertreten sind.

 

Dem Poster des „Festival international du film francophone de Namur“ für französischsprachige Filme mit den Namen mehrerer talentierter junger Schauspieler wurde ein Ehrenplatz neben einem Foto von Benoît Poelvoorde eingeräumt. Ein eingerahmtes Foto zeigt die Brüder Dardenne, die zweimal in Cannes ausgezeichnet wurden. Auf einer Filmklappe und den Buchrücken sind die Namen mehrerer Regisseure vermerkt, die zum Reichtum und zur Vielfalt des belgischen französischsprachigen Kinos beitragen.

 

Unten in der Vitrine tragen Buchrücken oder -deckel die Namen verschiedener Persönlichkeiten: Delhaize, Julie Billiart, Isabelle Brunell, Netta Duchâteau... Diese 1921 geborene Namurerin wurde bei der Miss Univers-Wahl 1940 in den USA zur schönsten Frau der Welt gekrönt. Die große (1,70 m) und schlanke Frau (58 kg) mit grünen Augen und braunem Haar hatte die Jury in ihren Bann gezogen.

 

Vitrine in der Mitte (links)

Geschichte, Wissenschaft, Technik und Industrie: so lassen sich die Themen dieser mittleren

Vitrine zusammenfassen.

 

Der Mensch von Spy, Gottfried von Bouillon, die vier Aymon-Söhne und Hugo d'Oignies (mit dem Reliquienschrein der Rippe des Heiligen Petrus) erinnern an die ferne Vergangenheit unserer Region, ebenso wie die Namen, die auf bestimmten Buchrücken vermerkt sind. „La lettre au Roi“ von Jules Destrée wird hervorgehoben, ebenso wie das Portrait des Grafen Hubert Pierlot. Dieser bemerkenswerte Politiker war zwischen 1935 und 1945 Premierminister von sechs aufeinander folgenden Regierungen, ehe er zum Staatsminister ernannt wurde.

Das Talent unserer Wissenschaftler und Industriellen kann angesichts ihrer bedeutenden Arbeiten und Entdeckungen nicht verschwiegen werden. Der Motor von Etienne Lenoir, die Marly-Maschine von Renquin Sualem, der dynamoelektrische Motor von Zénobe Gramme, die Metro von Edouard Empain in Paris, der Franki-Pfahl von Edgard Frankignoul... sind wallonische Erfindungen. Aber auch andere Namen müssen erwähnt werden: Raoul Warocqué, Jules Mélotte, John Cockerill, Jean Jadot, Nestor Martin, Georges Nagelmackers... sowie Glaverbel/Saint-Roch (Glasherstellung) und die „ Fabrique nationale d'Herstal“ (Waffenproduktion).

 

Jules Bordet ist der erste wallonische Wissenschaftler, dem 1919 für seine Arbeiten zur Erforschung der Immunitätsmechanismen der Nobelpreis für Medizin und Physiologie verliehen wurde. Auch andere Wissenschaftler haben ihren Platz in diesem Kreis der Wallonie: Georges Lemaître (Astronom, Physiker, Begründer der Urknalltheorie), Ovide Decroly (Neurolog, der stark von den Ideen Darwins beeinflusst war), Willy Peers (Arzt, Befürworter der Straffreiheit des Schwangerschaftsabbruchs) usw.

 

Vitrine in der Mitte (rechts)

Die andere mittlere Vitrine ist der Kunst, der Musik, der Literatur und den Comics gewidmet.

Der von seinen Zeitgenossen verwünschte Künstler Félicien Rops nimmt seine Revanche und stellt sein Gemälde „Pornokrates“ aus. Dahinter ist ein herrliches Aquarell einer Rose von Pierre-Joseph Redouté zu sehen. Die wallonischen Künstler (von Joachim Patenier über Henri Bles bis hin zu Paul Delvaux) sind zahlreich und die Mural-Künstler haben ihre Namen auf Buchrücken vermerkt.

 

Eine Skulptur von Constantin Meunier in der Mitte der Komposition spielt auf diese aktive Wallonie mit ihrem Know-how an, wie die Kristallvase der Glashütte Val-Saint-Lambert und die Spitze von Marche-en-Famenne belegen.

 

Der rechte Teil der Vitrine ist der Musik gewidmet: CD-Hüllen, ein Saxophon, ein Konzertprogramm von César Frank, eine Partitur von Li bia bouquet von Nicolas Bosret.

Henri Michaux hat seinen Platz neben anderen großen Dichtern wie Geo Norge, Achille Chavée, Charles Plisnier... Ebenso wie für die Comics ist die Liste für die Literatur nicht erschöpfend. Ein Werk, das auf keinen Fall fehlen durfte, ist „Le bon usage“ von Maurice Grévisse.

 

Vitrine rechts (Vorbau)

In dieser diskreten Vitrine auf der rechten Seite des Vorbaus sind die Namen aller Initiatoren und Planer aufgeführt. Die Idee zu dem Projekt hatte der Schöffe für Kulturerbe, Jean-Louis Close. Die Mural-Künstler aus Lyon und ihre Mitarbeiter aus Namur werden ebenso genannt wie die Mitglieder des Begleitausschusses und die Partner.

 

Unten in der Vitrine sind CDs und Bücher zu sehen, die den Namen von Schriftstellern, Historikern und eines hiesigen abstrakten Bildhauers tragen.

Gewisse Räume wurden nicht ausgefüllt, damit sich das Fresko weiterentwickeln kann.
 
Vitrine rechts

In der Wallonie gibt es unterschiedlichste Leckereien. Die regionalen Erzeugnisse der Wallonie (Foie gras, Fleisch- und Wurstwaren, Käse) sind über die Landesgrenzen hinaus bekannt. Sie werden zusammen mit gutem Bier gekostet: wählen Sie aus der langen Liste aus! Und sollten Sie etwas zu tief ins Glas geschaut haben, dann ist ein Glas Wasser aus Spa oder Chaudfontaine genau das Richtige... es sei denn, Sie ziehen stärkere Getränke wie „Eau de Villée“ oder einen „P'tit Peket“ vor.

 

Andere Spezialitäten sind: Jacques-Schokolade, Biétrumé-Karamellbonbons von E. de Hucorne (Fronville), die berühmten „langues de chat“ (Katzenzungen) von Galler, Materne-Konfitüren oder noch Bister-Senf.

 

 

 

Jacques Toussaint,
Leitender Konservator - Direktor
des Museumsdienstes der Provinz Namur